Nein, davon hatte ich keine Ahnung. Ich bin das auf meine ganz persönliche Art angegangen. Ich und die Mutter haben stapelweise Bücher gekauft. Das ist übrigens typisch Ich. Ich mag Konzepte, ich musste zum Beispiel verstehen, was in der achten Woche passiert und wie sich der Fötus entwickelt. Es beruhigte mich, diese Dinge zu lesen, aber ich war Lichtjahre von der Realität entfernt.
Eines war mir von Anfang an klar: Ich wollte es anders machen, als ich es selbst erfahren hatte. Mein Vater war abwesend und ich hatte nie eine besonders enge Beziehung zu ihm. Als ich Vater wurde, wollte ich daher eine besondere Bindung zu meinem Kind aufbauen und mir die Kompetenzen dafür aneignen.
Ich wollte mich voll und ganz einbringen, wusste aber nicht, wie das genau geht. Der Fehler, den ich am Anfang gemacht habe, war, dass ich die „Mutter” spielen wollte. Tatsächlich habe ich später erkannt, dass es am Anfang des Lebens eines Babys eine besondere Bindung zur Mutter gibt. Es gibt Dinge, die über die Rolle des Vaters hinausgehen. Es fiel mir schwer, diese Situation zu akzeptieren, und ich fühlte mich schuldig.
Für mich bedeutete Elternsein, bestimmte Dinge zu opfern. Aber ich schaffte es nicht, alle meine Hobbys aufzugeben oder niemanden mehr zu sehen. Darunter habe ich einige Monate lang sehr gelitten. Dann habe ich mein Gleichgewicht gefunden. Ich habe verstanden, dass ich das Vorbild meiner Mutter hatte, die alles geopfert hat. Ausserdem ist die Mutter meiner Tochter auch ein bisschen so. Als meine Tochter zwei Jahre alt war, begann ich mich damit wohlzufühlen, zu sagen, dass ich auch meine eigenen Aktivitäten als Allan brauche. Denn ja, da ist Papa-Allan, der in mein Leben getreten ist, aber es braucht auch einen Platz für den Allan, der 22 Jahre alt ist und gerne Videospiele spielt.
Wenn ich mich selbst aus dieser Zeit ansprechen könnte, würde ich sagen: „Mach dir keinen Stress, Bruder.“ Du hast all diese inneren Zwänge, und das ist normal. Aber sprich darüber – mit einem Kumpel oder mit einem Therapeuten. Ich habe zu viel einfach passieren lassen. Trotzdem: Man findet seine Rolle, sie kommt ganz natürlich.
Sobald das Kind anfängt zu laufen, etwa mit zwei Jahren, kommt Erziehung ins Spiel. Davor geht es vor allem darum, auf die Bedürfnisse des Babys einzugehen.
In der frühen Kindheit, wenn das Sprechen anfängt und man Dinge zeigen kann, wird das Teilen immer wichtiger und das Verständnis des Kinds wächt immer weiter. Ich bin beeindruckt von dieser Schnelligkeit. Jetzt ist sie es, die mir Dinge beibringt, die ich noch nicht weiss. Da habe ich wirklich meinen Platz gefunden. Auf diese Art Papa zu sein, macht mir viel mehr Freude.
Wir haben beide Eltern, die kein wirkliches Paar mehr waren, aber den Fehler machten, zusammenzubleiben, weil sie Kinder hatten. Für uns war es sehr klar: Wenn es auf der Paarebene nicht mehr funktioniert, werden wir es nicht erzwingen. Man muss das Baby vor Streit oder Spannungen zu Hause schützen. Also bin ich sehr schnell gegangen. Aber es war sehr schmerzhaft, weil ich diesen starken Wunsch hatte, ein präsenter Vater zu sein. Ich wollte meine Tochter und ihre Mutter auf keinen Fall im Stich lassen.
Dazu kam, dass Mutter ihr Leben weitergelebt hat. Als meine Tochter drei oder vier Jahre alt war hat sie jemanden kennengelernt. Das war für mich am Anfang extrem schwierig. Ich hatte das Gefühl, der Typ kommt und nimmt mir meine Vaterrolle zu Hause weg. Ich war eifersüchtig. Das war wirklich hart. Und ehrlich gesagt: Man muss diese neue Person einfach kennenlernen – das verändert alles. Wenn man eifersüchtig ist, hat man dieses Kopfkino und das richtet dann Schaden an. Es hat sich herausgestellt, dass er ein superguter Typ ist, der meine Rolle vollkommen respektiert. Und ich respektiere seine. Mit der Zeit sind wir wirklich Freunde geworden, wir verstehen uns super. Heute sehe ich uns als ein elterliches Trio. Er hat ganz klar seinen Platz, ohne selbst ein Elternteil zu sein. Er hat nicht dieselbe Verantwortung wie wir, ist aber trotzdem stark eingebunden. Und irgendwie ist meine Tochter auch ein bisschen seine Kleine. Rückblickend habe ich damit überhaupt kein Problem. Wir bilden ein schönes Trio.
Ich dachte, solange wir eine 50/50-Betreuung haben, passt alles. Aber das stimmt überhaupt nicht. Genau da kam die der Mental load ins Spiel. Zum Beispiel habe ich nie Kleidung gekauft oder gefragt, ob wir die nächste Kleidergrösse bereit haben. Ausserdem ist die Mutter beim Thema Kleidung ziemlich anspruchsvoll. Ich neige eher dazu zu sagen, dass es auch okay ist, wenn etwas ein bisschen zu klein oder zu gross ist. Ich nehme, was andere nicht mehr wollen.
Ein weiteres Thema ist das soziale Netz, also die Einbindung in die Eltern-Community. Ich bin ein eher einzelgängerischer Mensch und kein großer Fan davon, Leute kennenzulernen. Trotzdem habe ich mir Mühe gegeben, weil ich verstanden habe, wie wichtig das ist. Zum an Tagen, an dem man das Kind nicht von der Schule abholen kann: Wenn man Beziehungen aufgebaut hat, können andere helfen – und umgekehrt. Da habe ich mich mein Verhalten bewusst verändert.
Zunächst einmal habe ich grosses Glück. In den grundlegenden Erziehungsfragen sind wir uns einig. Dann gibt es Dinge im Alltag, bei denen wir uns nicht einig sind. Zum Beispiel macht sie sich mehr Sorgen. Ich hingegen habe ein grenzenloses Vertrauen in meine Tochter. Sie wird bald sechs und ich habe beobachtet, wie sie sich im Strassenverkehr verhält. In den meisten Situationen weiss ich, dass sie aufmerksam ist und die Gefahren erkennt. Ich schaue natürlich trotzdem ein wenig, aber deutlich weniger als die Mutter. Ich mache mir keine Sorgen. Darüber führen wir viele Diskussionen – und da werden sicher noch einige ähnliche kommen.
Das Wichtigste ist für mich die jeweilige Zuständigkeit. Ich finde, wenn sie unter meiner Verantwortung ist, mache ich die Dinge so, wie ich es für richtig halte. Umgekehrt mische ich mich nicht in das Terrain der Mutter ein.
Ich habe einen Hintergrund in der Sonderpädagogik, deshalb beschäftige ich mich schon lange mit diesen Fragen. Vor allem zu lesen und zu sehen, wie Dinge an anderen Orten und in anderen Ländern gemacht werden, hat mir geholfen. Ich picke mir hier und da etwas heraus, um meine eigene Art zu entwickeln Vater zu sein. Ich würde sagen: Man sollte sich dafür interessieren, was es alles gibt und den Blick öffnen. Wenn man sich in etwas nicht wiederfindet, ist das okay. Für mich war es wichtig, die Bilder von Erziehung, die ich selber mitbekommen habe zu dekonstruieren und einen eigenen Stil zu finden, der wirklich zu mir passt.
Das Wichtigste ist für mich die jeweilige Zuständigkeit. Ich finde, wenn sie unter meiner Verantwortung ist, mache ich die Dinge so, wie ich es für richtig halte. Umgekehrt mische ich mich nicht in das Terrain der Mutter ein.
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